Der Verrat am Holocaust
Deutschlands unselige Mittäterschaft an Israels Genozid im Gazastreifen
Deutschland und Israel stehen nach dem Genozid in Gaza an einem moralischen Abgrund / Mein neues Buch über den „Verrat am Holocaust“ / Mit Illustrationen von Harm Bengen
Wenn man den Holocaust richtig versteht, kann man nur eine universelle Lehre aus ihm ableiten: So etwas darf Menschen – egal welcher Hautfarbe, Nation, Religion oder Weltanschauung nie wieder passieren. Israel hat sich an dieses Vermächtnis des Holocaust nie gehalten: Das „Nie wieder!“ galt nur für Juden. Außerdem hat der zionistische Staat den Holocaust schon sehr früh für seine politischen, wirtschaftlichen, militärischen und propagandistischen Ziele instrumentalisiert. Der israelische Holocaust-Historiker Omer Bartov sagt sogar, dass Israel diesen Genozid als Rechtfertigung für Unmenschlichkeit benutzt.
Der Völkermord in Gaza ist dafür ein anschauliches Beispiel. Israel beruft sich bei der Ausübung seiner extremen Vernichtungsgewalt dort auf den Holocaust. Denn es kämpfe dort gegen die „neuen Nazis“ – die Hamas. Die deutsche Politik hatte keine Bedenken, mit dem siedlerkolonialistischen zionistischen Staat schon sehr früh ein enges Bündnis einzugehen, weil sie hoffte, auf diesem Weg Sühne und Absolution für den Genozid der Nazis an den europäischen Juden zu erlangen.
Beide Staaten schlossen einen historischen Deal: Deutschland baute seine neue stattliche Identität auf Verantwortung und Schuldgefühlen auf. Israel setzte auf den Status des Opfers. Und so kam eine denkwürdige Symbiose zustande: „Der Jude musste Opfer bleiben, damit Deutschland erlöst werden konnte.“ (Abraham Burg) Dieses „Tauschgeschäft“ wurde von der deutschen Seite „materialisiert“, das heißt: Deutschland leistete „Wiedergutmachung“ und Wirtschaftshilfe in großem Ausmaß.
Der Völkermord Israels in Gaza, an dem Deutschland durch Waffenlieferungen, Schweigen und rechtfertigende Zustimmung („Israel verteidigt sich ja nur selbst.“) mitgewirkt hat, hat die Symbiose zwischen den beiden Staaten ausgelöscht. Denn Israel kann sich nicht mehr auf sein Opfersein berufen, es ist Täter eines Genozids geworden. Und Deutschland hat sich der Mittäterschaft schuldig gemacht. Aus dem „Nie wieder“! ist ein „Wieder!“ geworden. Das kann nicht folgenlos bleiben. Deutschland muss eine völlig neue Einstellung zu Israel finden und muss den Holocaust neu – das heißt: universell – denken. Dieser ganze Komplex ist das Thema meines neuen Buches.
Arn Strohmeyer: Der Verrat am Holocaust. Wie Deutschland und Israel durch den Völkermord in Gaza ihre moralische Legitimität verloren haben, Gabriele Schäfer Verlag Herne, ISBN 978-3-910594-47-0, 21 Euro.
Mit Illustrationen von Harm Bengen zum Nahost-Konflikt und Gaza-Genozid.
