Zum Hauptinhalt springen
strohmeyer logostrohmeyer logo
  • Home
  • Autor
  • Zeitgeschehen
    • Israel/Palästina
    • Verschiedenes
  • Bücher
    • Griechenland Bücher
    • Politische Bücher
  • Kontakt

Wiederholt sich mit der AfD in unheilvoller Weise die deutsche Geschichte?

Die rechtsextreme Partei und die Furcht vor der Freiheit

Oktober 5, 2026

Die AfD ist auf dem Vormarsch, ist der Griff nach der Macht in den Ländern (besonders im Osten der Republik) und im Bund noch zu stoppen? Die Gründe für diesen Erfolg liegen auf der Hand: das völlige Versagen der in Berlin regierenden Koalition. Unter dem Vorwand von „Reformen“ baut sie gerade den Sozialstaat ab. Und sie hat offenbar nie die nötige kritische und argumentative Auseinandersetzung mit diesen populistisch-autoritären Rechtsextremen gesucht, bei denen zum Teil NS-Anhänger ganz offen den Ton angeben. Außer der „Brandmauer“ und viel hohler Rhetorik hat bei den Parteien der „demokratischen Mitte“ nicht viel stattgefunden. Und obendrein ein Kanzler, dem die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen in den Ost-Ländern offensichtlich nicht sehr am Herzen liegen.    

Die Wiederbelebung völkischen Denkens in der AfD, die daraus folgende Propagierung einer „deutschen Identität“ und ihr Rassismus, also der Hass auf Ausländer (die neuen Juden?) nähren schlimme Befürchtungen. Was man in dieser Partei offen bekundet, ist schon schlimm genug. Was mag man erst hinter verschlossenen Türen denken, aushecken und planen?

Man kann weitere Gründe für das Hochkommen dieser autoritären Rechtsextremen nennen – besonders in den Ost-Bundesländern. Dort hat die West-Politik mit Hilfe der Treuhand sehr ungerechte soziale und ökonomische Verhältnisse geschaffen. Die durchaus respektable Lebensleistung der DDR-Bewohner wurde damit weitgehend zerstört. Die Wiedervereinigung wurde ihnen vom Westen aufoktroyiert, sie konnten dabei kaum eigenen Vorstellungen einbringen. Es wurde das neoliberale ökonomische System eingeführt, in dem der große und politisch entscheidende Besitz fast ausschließlich in westlichen Händen liegt.

Dazu kommt: Der Nationalsozialismus und seine Verbrechen wurden in der DDR nie richtig aufgearbeitet. Die Behauptung, in Vergangenheit und Gegenwart auf der richtigen Seite der Geschichte gestanden zu haben, also auf der Seite des Antifaschismus, reichte da einfach nicht aus. Unter der Oberfläche rumorte da in den Köpfen der DDR-Bewohner, die keine Erfahrung mit der Demokratie hatten, noch viel deutsch-nationales und NS-Denken. Der DDR-Sozialismus wurde dabei opportun hingenommen, aber nicht wirklich verinnerlicht, so der Historiker Heinrich August Winkler.

Muss man also wieder zu Erich Fromms Buch Die Furcht vor der Freiheit greifen, in dem er 1941, also zur Hochzeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, die These aufstellte, dass die Deutschen mit der Machtergreifung der Nazis 1933 bereit waren, ihre Freiheit aufzugeben und sich einer völkisch-autoritäten Partei und ihrem Führer zu unterwerfen? Er fragte: Gibt es vielleicht außer dem angeborenen Wunsch nach Freiheit auch eine instinktive Sehnsucht nach Unterwerfung? Und wenn es diese nicht gibt, wie ist dann die Anziehungskraft zu erklären, welche die Unterwerfung unter einen Führer heute auf so viele ausübt?

Nun verfügt die AfD nicht gerade über einen eindrucksvollen populistisch-charismatischen „Führer“ wie die Republikaner mit dem irrlichternden Narzissten Donald Trump in den USA, aber folgende Kriterien, die Fromm nennt, treffen auch auf die AfD zu: Ihre Anhänger sind absolut autoritätsorientiert und sind bereit, sich Autoritäten zu unterwerfen, möchten aber gleichzeitig selbst Autorität sein, der sich die anderen zu unterwerfen haben. Fromm spricht hier vom „autoritären Charakter“, wobei Autorität zwischenmenschliche Beziehungen meint, bei der der Eine den Anderen als ihm überlegen betrachtet.

Die Unterwerfung unter die Autorität ist nach Fromm der Versuch, Teil eines größeren und mächtigeren Ganzen außerhalb des eigenen Selbst zu werden, darin unterzutauchen und so daran teilzuhaben. Wenn man Bestandteil dieser Macht wird, die als stark, zeitlos und faszinierend empfunden wird, hat man auch Teil an ihrer Stärke und Herrlichkeit. Man glaubt auf diese Weise, Sicherheit und Geborgenheit vor den Risiken und Katastrophen des Lebens zu finden. Eben das ist die Furcht vor der Freiheit, die aber den Verlust des Selbst, also der Integrität als Individuum bedeutet.

Trifft diese Beschreibung auf die Anhänger und Wähler der AfD zu? In der alten Bundesrepublik haben Umfragen immer wieder belegt, dass etwa 20 Prozent der Bürger rechtsextreme Einstellungen teilen. Heute bejahen hier nach neuesten Umfragen fast 70 Prozent die Staatsform Demokratie, mit ihrem Funktionieren sind aber nur 57 Prozent zufrieden. Im Osten liegt die Unzufriedenheit mit der Demokratie bei 71 Prozent. Bei Anhängern der AfD geben 89 Prozent in West und Ost an, mit der Demokratie unzufrieden zu sein. (Quelle: Forsa 18.09.2026) Und vor allem: In vielen Köpfen – besonders im Osten – wabert noch viel deutsch-nationales und nationalsozialistisches Denken in den Köpfen und feiert bei Wahlen fröhliche Urständ, wie oben schon erwähnt.

Was kann die weitere Furcht vor der Freiheit, also das Anwachsen der AfD aufhalten? Erich Fromm war 1941 noch optimistisch: „Die autoritären Systeme können die Grundbedingungen nicht beseitigen, die zum Streben nach Freiheit führen. Und sie können auch das Freiheitsverlangen nicht ausrotten, das diesen Bedingungen entspricht.“ Langfristig gesehen hatte er Recht, aber kurzfristig musste Deutschland für seine Furcht vor der Freiheit einen immensen und furchtbaren Preis zahlen. Eine Wiederholung würde seine Existenz aufs Spiel setzen.

Was also wäre ein Gegenmittel gegen eine neue „braune Pest“? Es ist kein Geheimnis, dass wirtschaftliche Krisen im Kapitalismus nicht nur sinkende Einkommen, Arbeitslosigkeit und neue Armut schaffen, sondern auch Orientierungslosigkeit und Angst vor der Zukunft. Das verschafft den rechtsextremen Kräften Zulauf und Wahlerfolge. Der Neoliberalismus mit seinem Hauptdogma – der Markt regelt alles – erweist sich zunehmend als unfähig, die Bedürfnisse einer großen Bevölkerungsmehrheit zu befriedigen. Nur eine Wirtschaftspolitik, die die Voraussetzung dafür schafft, dass jeder Mensch die Chance auf ein ausreichendes, befriedigendes  und würdevolles materielles und kulturelles Leben hat, wird den Rechtsradikalismus und damit die Furcht vor der Freiheit stoppen können.

Sie sind hier:

  1. Home
  2. Zeitgeschehen
  3. Verschiedenes
  4. Wiederholt sich mit der AfD in unheilvoller Weise die Geschichte?
  • Israel/Palästina
  • Verschiedenes
    • Wiederholt sich mit der AfD in unheilvoller Weise die Geschichte? (current)
    • Wiedersehen mit Matala nach fast 60 Jahren
    • Thomas Manns BBC-Ansprachen an die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges
    • "Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte"
    • Erbärmlich - wie die ehemaligen DDR-Bürgerrechtler die neue Partei von Sahra Wagenknecht (BSW) dämonisieren
    • Gedenken an das Massaker von Viannos vor 80 Jahren
    • Meine Rede in Viannos
    • Daniela Danzers Abschiedsbuch für ihren Vater Georg
    • Wo Nelson Mandela 18 Jahre im Gefängnis saß / Besuch auf Robben Island
    • Der griechische Zeichner Christos Tousis
    • Georg Danzer Café Hawelka Wien Matala Kreta
    • Brotbacken als kommunales Ereignis
    • Mein Haus auf dem Felsen im südkretischen Lentas
    • Warum der Westen den Krieg in Afghanistan verlor - das neue Buch von Michael Lüders
    • Nachruf auf Mikis Theodorakis
    • Erinnerungen an Elisabeth-Erdmann-Macke - die Frau des Malers August Macke
    • Ehrende Erinnerung an eine deutsche Philhellenin in Chania
    • Anmerkungen zur Geschichte des Gruner+Jahr-Konzerns
    • Ein Besuch in Knossos
    • Deutsche und Griechen - eine problematische Beziehung
    • Ein Skandal um den Bremer Literaturpreis, den man bis heute nicht wahrgenommen hat
    • Plädoyer für die Psychosomatik
    • Umberto Ecos Warnung vor Faschismus
    • Rede zur Ausstellung "Zeit des Schreckens. Die deutsche Besatzung 1941 - 1945" in der Villa Ichon, Bremen
    • Nachruf auf Richard
    • Gefahr für eine einzigartige Landschaft in Südkreta
    • Wie die frühen Christen die antike Kultur zerstörten
    • Eine Frage an den Bremer Senat betreffs NS-Vergangenheit
    • Ist Griechenlands Zukunft neoliberal?
    • Matala verleiht Arn Strohmeyer die Ehrenbürgerschaft
    • Ehrung für Verdienste um Kreta
    • Henry Miller - der Mystiker
    • Was ein Kreter aus der griechischen Krise macht
    • Kritisches zum Luther-Jahr
    • Ein Besuch in Korinth
    • Kreta und der Zweite Weltkrieg
    • Der Mythos von Zeus und Europa
    • Haben wir eine "Lückenpresse"?
    • Mikis Theodorakis und die Musik Kretas
    • Kretas großer Lyra-Spieler Psarantonis
    • Der kretische Schriftsteller Themos Kornaros
    • Parsifal in Bremen
    • Ludwig Roselius und das Haus Atlantis in Bremen - ein völkisches Bauwerk
    • Der Maler Peter Foeller
    • Erhart Kästner und der Zweite Weltkrieg in Griechenland
    • Sorbas war ganz anders
Suchformular

Erweiterte Suche

Regeln

Impressum

Datenschutz

2018-2025 © Arn Strohmeyer