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Donald Trump - der neue "Leviathan"

Die von dem englischen Philosophen Thomas Hobbes stammende Metapher für unbeschränkte Machtausübung lässt sich sehr gut auf den US-Präsidenten anwenden – und auch auf das gewaltsame Hegemoniestreben Benjamin Netanjahus im Nahen Osten

März 10, 2026

Für den Philosophen Thomas Hobbes (1588 – 1679) war der Leviathan ein biblisch-mythologisches Ungeheuer, das Gott erschaffen hatte, um seine unermessliche Macht zu demonstrieren. Hobbes benutzt die Figur als Metapher für den idealen Staat, den er als übermächtige Instanz ansieht, die notwendig ist, um die heillose Anarchie, in der die Menschen ursprünglich lebten, zu zähmen. So gesehen verkörpert der Leviathan die absolute staatliche Autorität, die die Menschen in der Gesellschaft zusammenhalten und auch schützen soll.

Der amerikanisch-jüdische Ökonom und Politik-Analytiker Jeffrey Sachs von der Columbia Universität in New York überträgt Hobbes Metapher auf US-Präsident Donald Trump und das von ihm repräsentierte Machtsystem – vor allem auch auf seine Außenpolitik. Trump also als neuer Leviathan! Sachs schildert den US-Präsidenten als „außergewöhnliche Persönlichkeit“, der eine „dunkle Triade aus extremem Mafiatum, bösartigem Narzissmus und Psychopathie“ darstelle.

Sein Programm (soweit man überhaupt davon sprechen kann), sei auf sein Land und den Globus angewandter Leviathan. Das heißt: Die USA bzw. Trump selbst sollen der Welt-Hegemon sein, so gut wie alle anderen Staaten (China und Russland vielleicht ausgenommen) haben vor dieser Macht zu kapitulieren und sollen von ihr kontrolliert werden. Venezuela, der Iran und Kuba, das Trump sich als „nächstes vornehmen“ will, sind also erst der Anfang. Trump selbst bestimmt, wer wo herrscht, nur so kann es nach seiner Vorstellung „Sicherheit“ auf der Welt geben, eine pax americana also. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ist dabei sein williger Gefährte, der das, was Trump im globalen Rahmen realisieren will, im regionalen Raum schaffen soll: die absolute Hegemonie über den Nahen Osten. Über Israel urteilt Sachs: „Ein verrückter abtrünniger Staat.“

Es gibt für Sachs natürlich auch eine Alternative: Dass die Staaten friedlich nach bestimmten Regeln miteinander auskommen, aber das könnten weder die amerikanische noch die israelische Politik leisten. Sie kennen aus dem narzisstischen Größenwahn ihrer Führer heraus nur die Sprache der Gewalt. „Sie bewegen sich auf einer emotionalen Ebene wie Kinder vor dem fünften Lebensjahr“, diagnostiziert Sachs. An anderer Stelle erklärt er Trumps und Netanjahus Kriegspolitik psychologisch verstanden als schlichten „Wahnsinn“. Denn im Krieg gegen den Iran geht es nicht mehr um einen Sieg über einen Feind, sondern Trump hat immer wieder die „totale Kapitulation“ des Mullah-Staates gefordert. Bei Nichtbefolgung dieses Befehls wurde von ihm die „Vernichtung“ des Iran angedroht. Trump allein entscheidet also über Sein oder Nichtsein von Staaten und Völkern.

Mit Jeffrey Sachs greift ein prominenter und renommierter Politik-Analyst (er war Berater von Michael Gorbatschow, der UNO-Generalsekretäre Kofi Anan und Ki Moon und berät noch den gegenwärtigen UNO-Chef Antonio Guterres) auf psychologische Kategorien zum Verständnis von Trumps Politik zurück, um eine für die ganze Welt höchst gefährliche Situation zu erklären. Keine unwichtige Kategorie, denn Sachs sieht die Welt dank Trump-Leviathan auf dem „direkten Weg in den dritten Weltkrieg“.

Um den „Wahnsinn“ zu stoppen, solange es noch möglich ist, sollte man deshalb sehr genau die Persönlichkeit des Alleinherrschers im Weißen Haus in Augenschein nehmen. Denn mit dem Völkerrecht oder einer regelbasierten Ordnung kann man ihm nicht kommen. Er hat ja offen bekannt, dass ihn das nicht interessiere, er habe sein eigenes Gesetz und seine eigene Moral und nur die seien für ihn verpflichtend. Eine solche Einstellung mit unbegrenzter militärischer Macht im Hintergrund ist in der Tat äußerst gefährlich. Die Verachtung von Recht und Gesetz in der internationalen Politik ergänzt sich im Übrigen bestens mit der israelischen Position, die auch Völkerrecht und Menschenrechte ignoriert und behauptet, der Zionismus habe sein eigenes Gesetz und seine eigene Moral und richte sich ausschließlich danach. Das Leviathan-Symbol gilt also auch für Israel.

Einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung psychischer Eigenschaften auf die Politik hatte schon in den zwanziger und dreißiger Jahren das Frankfurter Institut für Sozialforschung unter der Leitung von Max Horkheimer mit seinen Untersuchungen über den autoritären Charakter geleistet. Der Psychoanalytiker und Sozialpsychologe Erich Fromm (1900-1980), der dem Institut zeitweise angehörte, setzte sich intensiv mit der Frage auseinander, wie der Besitz von Macht tiefe destruktive Schichten in einer Persönlichkeit freisetzen kann. Wenn Angst, Hass und Zerstörungswünsche mit außergewöhnlicher Stärke bei den Besitzern von Macht die Oberhand gewinnen würden, drohe die Gefahr eines Absinkens in eine neue Barbarei, stellte Fromm fest. Natürlich hatte er damals Hitlers Aufstieg zur Macht im Auge.

Für den narzisstischen Menschen besitzen danach nur seine eigenen Wünsche und Gedanken Realität. Wenn er im Besitz von Macht ist, glaubt er, die letzte Entscheidung über alles zu haben – auch über Leben und Tod. Ein solcher Narzisst gibt dann vor, dass keine Grenzen für seine Machtgier existieren. Er versucht in seinem Größenwahn, die Welt so umzuformen, dass sie sich seinen Vorstellungen anpasst. Seine Allmachtfantasien isolieren ihn aber auch immer mehr von der äußeren Realität und den Menschen, was die Angst in ihm verstärkt und dazu führt, dass alle politischen Gegner ausgeschaltet werden müssen, was nur mit äußerster Skrupellosigkeit möglich ist.

Dem Imperator gegenüber zählen also nur völlige Unterordnung und totale Loyalität. Kritische Stimmen sieht der narzisstische Machtmensch als unerträgliche Bedrohung an. In dem Mangel an Objektivität und der Unfähigkeit, die Welt so zu sehen, wie sie ist und sie so zu tolerieren, steckt aber auch das große Risiko dieses Menschentyps, denn jeder Rückschlag oder das unbedingte Streben, seine Allmacht aufrechtzuerhalten, verleiten ihn zu Fehlern, die seinen Untergang bedeuten können.

Dieses Stadium hat Trump noch nicht erreicht, aber das hier gezeichnete Psychogramm trifft auf diesen narzisstischen Machtmenschen in jeder Hinsicht zu, man vergleiche zum Beleg nur seine einzelnen politischen Schritte und Maßnahmen. Und da es ihm gelungen ist, fast alle Institutionen, die den Rechtsstaat und die Demokratie sichern sollen, auszuschalten bzw. seinem Willen unterzuordnen, sich also zu einem Alleinherrscher aufzuschwingen, lässt sich ermessen, welche Gefahr er für sein Land und die Welt darstellt.

Was bedeutet diese Analyse aber für das Israel Benjamin Netanjahus, den engsten Verbündeten Trumps, mit dem er gerade dabei ist, mit dem Angriffskrieg auf Iran den ganzen Nahen Osten in Brand zu setzen? In einem solchen Fall hat man es, so Fromm mit Gruppen-Narzissmus zu tun. Dieser besteht in der Überschätzung der eigenen Position und dem Hass gegen alles, was davon abweicht: Wir sind gut, die anderen sind böse, wir sind bewunderungswürdig und überlegen, sie sind verachtenswert. Wird diesem Narzissmus eine Wunde oder eine Niederlage zugefügt, kann die Kränkung nur durch die völlige Auslöschung und die totale Vernichtung des Gegners ungeschehen gemacht und die Wunde so „geheilt“ werden. Israels Genozid nach dem 7. Oktober 2023 in Gaza bestätigt die Richtigkeit dieser Analyse.

Aus diesem Gruppen-Narzissmus folgt auch das permanente Gefühl der Bedrohung, das in diesem Fall nicht durch eine reale Bedrohung hervorgerufen wird, sondern durch Manipulation der politischen oder religiösen Führer. Jeder selbst begonnene Krieg wird zur Verteidigung gegen einen realen oder potenziellen Angriff hochgespielt – wie jetzt Israels Attacke gegen den Iran. Fromm deutet ein solches Phänomen als Ergebnis der Beeinflussbarkeit von Millionen Menschen, denen man einredet, sie seien in Gefahr, angegriffen zu werden und sie müssten sich verteidigen. Er schreibt: „Die Beeinflussbarkeit beruht in erster Linie auf einem Mangel an unabhängigem Denken und Fühlen und auf der emotionalen Abhängigkeit der allermeisten Menschen von ihren politischen Führern.“

Auch diese Analyse bestätigt sich durch die brutale Gewalt der zionistischen Politik, die immer vorgibt, das Opfer zu sein, während sie in Wirklichkeit der Angreifer, Eroberer, Besatzer und Unterdrücker ist. Was dann noch durch die Berufung auf den Holocaust gerechtfertigt wird. Israel hat in Benjamin Netanjahu einen skrupellosen politischen Verbündeten, der Trump in nichts nachsteht und in seinem politischen Handeln auch von einem grenzenlosen narzisstischen Größenwahn bestimmt wird.

Man fragt angesichts solcher Risiken natürlich nach einem Gegenmittel, einer politischen Alternative zu dem extremen und gefährlichen Narzissmus von politischen Führern. Helfen können nur Vernunft und souveräne demokratische Selbstbestimmung, die den Aufstieg solcher narzisstischen Machtmenschen gar nicht erst zulassen oder, wenn sie ihn dennoch geschafft haben, schnell wieder von der Macht entfernen. Aber das ist nicht so einfach. Dagegen sprechen einerseits die Gleichgültigkeit und Trägheit der Menschen, andererseits aber auch die Faszination und Anziehungskraft solcher Führer, in die sie ihre eigenen narzisstischen Bedürfnisse und Wünsche projizieren und sich dann „freiwillig“ den Trumps und Netanjahus unterordnen. Die Erfolge rechtsextremer Bewegungen in letzter Zeit haben in diesem Narzissmus großer Bevölkerungsteile sicher eine ihrer Ursachen.

Erich Fromm kann angesichts solcher Entwicklungen (er musste als Jude vor den Nazis fliehen und ins amerikanische Exil gehen) ähnlich wie Jeffrey Sachs nur eine sehr pessimistische Prognose anbieten. Wenn der narzisstische bzw. paranoide Größenwahn in der Politik siegt, „dann könnte es dazu kommen, dass das Leben der Menschheit ausgelöscht wird.

9.03.2026

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