Ich habe am 14. April 2026 an einer Podiumsdiskussion der MLDP in Hamburg teilgenommen und dort auch einen Kurzvortrag gehalten. Das Thema war: „Angriff auf den Iran. Flächenbrand im Nahen Osten – Kampf um den Weltfrieden herausgefordert“. Ich gehöre dieser Partei nicht an und teile auch viele ihrer Positionen nicht, dennoch war der Meinungsaustausch interessant, nützlich und aufschlussreich.
Liebe Freunde, liebe Freundinnen,
wir sind zur Zeit aus der Ferne Zeugen furchtbarer gewaltsamer Vorgänge. In der Außenpolitik des Westens – ich will hier den Ukraine Krieg aus Zeitgründen außen vorlassen – herrscht das totale Chaos, also totale Regel- und Gesetzlosigkeit. Das Völkerrecht, ohnehin auch früher schon ein schwaches Instrument, das zumeist nur den Interessen der imperialistischen Großmächte diente, gilt nichts mehr. Es gilt nur noch das brutale Recht des Stärkeren. Und was man noch vor Jahren für unmöglich gehalten hat: Juden – ich meine damit aber nicht die Juden in der Welt, sondern nur die israelisch-jüdischen Zionisten – haben in Gaza einen Völkermord begangen, der noch gar nicht abgeschlossen, sondern weiter in vollem Gange ist. Und ein amerikanischer Präsident kann einem anderen Volk drohen, dass er ihre „ganze Zivilisation vernichten“ wolle – was ja auch ein Genozid wäre.
Man muss nach den Ursachen fragen, wie so etwas möglich ist. Wenn es einen Hauptverantwortlichen für die ganze Entwicklung gibt, für den Genozid in Gaza und den totalen Krieg gegen den Iran, sage ich: Es ist das zionistische Israel. Selbst in unseren Medien war zu lesen, dass Israels Präsident Netanjahu US-Präsident Trump zu diesem Krieg gedrängt hat, den er schon seit über 30 Jahren gefordert hat. Und Trump war dazu bereit. Wohl im Blick auf das iranische Öl und Gas, über die die USA gern verfügen würden.
Nachdem sich aber die Blitzkriegsphantasien der beiden Kriegsverbrecher (so muss man sie wohl nennen) am hartnäckigen iranischen Widerstand zerschlagen haben und sie nun in der Falle sitzen und nicht wissen, wie sie da wieder herauskommen sollen, bleibt die Frage nach den Hintergründen dieses Schurkenstücks, das dieser Krieg in Wirklichkeit ist.
Wenn man diesen Krieg und auch den Genozid in Gaza verstehen will, muss man unbedingt die Ideologie der Anstifter dieser Verbrechen kennen – und das ist eben ganz eindeutig der Zionismus. Und man muss die Politiker und Militärs anklagen, die diese Ideologie in die Tat umsetzen. Ich will den Zionismus in aller Kürze beschreiben. Er ist eine aus dem Antisemitismus und Nationalismus in Europa hervorgegangene Ideologie, die sich zum Ziel gesetzt hatte, in Palästina – ohne Rücksicht auf die dort lebende Bevölkerung, denn Palästina war voll mit Arabern besiedelt – einen „jüdischen“, d.h. zionistischen Staat zu gründen, was ja trotz aller Widerstände mit Hilfe der Großmächte Großbritannien und später der USA auch gelungen ist.
Wichtig für das Verständnis des Zionismus ist auch der israelische Umgang mit dem Holocaust, denn die Zionisten glauben in einer totalen Verfälschung der realen Geschichte, dass sich die Verfolgung der Juden in Europa im Nahen Osten wiederholt und jeder Widerstand gegen sie und ihre Politik von „neuen Nazis“ kommt. Deshalb sind die Palästinenser, die gegen die Besatzung und für ihre Freiheit kämpfen, die „neuen Nazis“. Netanjahu hat das während des Gaza-Genozids immer wieder betont: Die Kämpfer der Hamas sind die „neuen Nazis“. Die Zionisten leiten daraus das Recht ab, in Gaza einen Genozid zu begehen, denn man kämpfe ja gegen das Böse schlechthin.
Außerdem spielt für den Fortbestand des Zionismus die politische, finanzielle und militärische Unterstützung der imperialen Großmacht USA die entscheidende Rolle. Dazu kommt der Beistand der sehr mächtigen jüdischen Lobby in den USA, denn sie unterstützt Israel mit allen Mitteln. Diese Lobby besteht aus zwei Gruppen: zum einen den zionistisch gesinnten Juden in den USA und andererseits den christlichen Fundamentalisten dort.
Ich habe gerade ein Buch des jüdischen, aber antizionistischen Historikers Yakov Rabkin von der Universität Montreal (Kanada) gelesen. Er definiert die zionistischen Ziele in Palästina so: totale ethnische, „Säuberung“ bzw. Vertreibung der Palästinenser und wenn nötig auch Genozid an ihnen. Das schreibt ein Jude. Ich möchte deswegen an dieser Stelle nachdrücklich darauf hinweisen, wie wichtig es ist, zwischen Judentum und Zionismus zu unterscheiden. Denn Millionen Juden in der Welt wollen mit dem Zionismus und Israel nichts zu tun haben. Judentum ist eine im weitesten Sinne ethnische Kultur, die zum Teil auch religiös ist, aber nicht sein muss; der Zionismus ist die Staatsideologie Israels.
Aus dem hier Gesagten kann man sehr gut die Ziele und Hintergründe des Genozids in Gaza und des Krieges gegen den Iran ableiten. Das zionistische Israel strebt die totale imperiale Hegemonie über den gesamten Nahen und Mittleren Osten an. Dazu gehört auch die Schaffung eines Groß-Israel ohne Palästinenser, das mindestens vom Jordan bis zum Mittelmeer reicht. Die Zionisten träumen aber auch – unter Berufung auf das Alte Testament der Bibel – von einem Groß-Israel, das vom Nil bis zum Euphrat reicht. Diesen Anspruch vertritt zum Beispiel Mike Huckabee, der Botschafter der USA in Israel.
Die Absicht der Kriege, die Netanjahu zurzeit führt, ist, die Bildung eines Palästinensischen Staates mit allen Mitteln zu verhindern und deshalb jeden Widerstand, der aus einem der nahöstlichen Staaten gegen Israel geführt wird, auszuschalten und zu vernichten. In Syren und im Irak ist das schon weitgehend gelungen. Im Augenblick versucht Israel, die Hisbollah im Libanon, die Huthis im Jemen und als letzten großen Gegner den Iran zu zerstören, der in die „Steinzeit gebombt werden“ soll. Als Machtfaktor in der Region soll er nicht mehr existieren. Israel wäre dann die Vormacht in der Region, die alles kontrolliert – das wäre dann also ein zionistischer Gewaltfrieden.
Alle anderen Gründe, die da für den Krieg angeführt werden – Gefahr der iranischen Nuklearanreicherung oder dort die Mullahs zu stürzen, um eine Demokratie zu schaffen – sind alles nur propagandistische Vorwände. Es geht um nichts anderes als um imperiale Machtpolitik. Dabei kommt es Israel nebenbei noch zugute, dass es dabei gemäß der zionistischen Ideologie noch neues Land rauben kann, also seine Grenzen erweitern kann, wie in Gaza, Syrien und im Libanon bereits geschehen. Die USA sind dabei ein williger Helfer. Aber offenbar hat man die Rechnung ohne den stolzen und eindrucksvollen Widerstandswillen der Iraner gemacht.